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Lüneburger Heide.

Bevölkerung und Braudatum

Die Beschaffenheit des Bodens, die dadurch bedingte Lebensform und die bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit herrschende verkehrsmäßige Abgeschlossenheit haben dem Volksschlag der Heidebewohner, „Heidjer”. besondere Züge aufgeprägt. Der Heidjer ist von zurückhaltender und gastfreundlicher Art, ein schlichter Mensch, der auch bei anderen keinen Standesdünkel kennt. Er ist geradeaus und vertraulich, so spricht man sich auf dem Lande mit „du” an.
Der Heidjer hängt am Althergebrachten. Alte Trachten sieht man nlpch hin und wieder im Kirchspiel Sdieeßel. Hier gibt es ein Heimatmuseum mit einer Trachtensammlung. Bei Hochzeiten und Heimatfesten wird im Wendland, in den Gemeinden Dannenberg und Lüchow, eine dem Spreewald verwandte Tracht getragen.
Die Mundart der Heidebewohner ist das Niederdeutsche oder Platt-deutscher und steht in enger Verwandtschaft zum Mecklenburgischen, Holsteinischen, Stadischen, Oldenburgischen. Es hat die Überflutung mit fremden Mundarten überstanden, im Norden klarer als im Süden und in den Dörfern besser als in den Städten.
Die Dörfer der Lüneburger Heide sind meist Haufendörfer, deren Höfe im Schutz mächtiger Eichen liegen, so daß sie aus der Ferne kleinen Wäldern gleichen. Die Höfe, oft von Findlingsmauern um-geben, zeigen eine erstaunliche Weiträumigkeit. Vielfach sieht man noch die schönen langgestredcten niedersächsischen Bauernhäuser, jedoch ist das Strohdach selten geworden. Auch das Innere ist meistens umgebaut; Pferde und Rindvieh haben eigene Stallgebäude bekommen. Die Ställe für Schweine liegen oft etwas abseits. Die früher weit verbreitete Bienenzucht ist mit dem Schwinden der Heide auch stark zurückgegangen. Eine besondere Zierde bilden die namentlich in der Südheide noch häufiger anzutreffenden ein- und zweigeschossigen Treppenspeicher, die ganz aus Holz gebaut sind und zu deren Obergeschoß eine an der Außenwand befindliche Treppe hinaufführt. In ihnen wurden die Gegenstände aufbewahrt, die in den alten Bauernhäusern mit ihren offenen Feuerstellen durch den abziehenden Rauch Schaden erlitten hätten.
Im „Hannoverschen Wendland” finden wir die eigenartigen Rundlingsdörfer. Die Häuser bilden einen geschlossenen Kreis mit einer schmalen Straße als Zugang. Zu den schönsten Rundlingen gehört Bussau, in der Nähe von Clenze, mit Vierständerhäusern aus dem 19. Jahrhundert; es soll als Museumsdorf erhalten werden. Rundlinge sind nach neuesten Erkenntnissen nicht wendischen Ursprungs, sondern deutsche Siedlungsformen aus dem 12. Jahrhundert.
Die Zahl der Heidebewohner war früher sehr klein. Vor 100 Jahren betrug die Dichte nur 25 je Quadratkilometer und hatte sich bis 1939 erst auf 49 gehoben gegenüber 132 im Reichsdurchschnitt. Heute beträgt sie 88, kann aber auch kaum mehr gesteigert wer-den, da die großen Wälder aus klimatischen und wirtschaftlichen Gründen erhalten bleiben müssen, die weiteren Flächen der Hochheide aber wegen Wassermangels auch heute noch ziemlich siedlungsfeindlich sind. Von den etwa 1000 Ortschaften des Regierungsbezirks Lüneburg sind drei, nämlich Lüneburg (65 000 Einw.), Celle (77 000 Einw.) und Wolfsburg (132 000 Einw.), kreisfreie Mittelstädte. Lüneburg und Celle sind besonders sehenswert, da ihre mittelalterlichen Stadtbilder im Zweiten Weltkrieg nicht beeinträchtigt wurden. In oder an der eigentlichen Heide liegen außerdem die Städte Uelzen (38 000 Einw.), Soltau (20 000 Einw.), Bevensen (etwa 16000 Einw.) und Visselhövede (10000 Einw.).

Aus der Geschichte

Die Lüneburger Heide ist überaus reich an Funden aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Die westelbischen Gebiete Norddeutschlands weisen heute wohl noch an die 300 Megalithgräber aus der Jüngeren Steinzeit auf. Am bekanntesten in der Heide sind die „Sieben Steinhäuser” bei Fallingbostel, ferner die fünf Gräber im Schieringer Wald unweit Bledcede, die drei sogenannten Königsgräber in der Nähe von Bevensen-Altenmedingen und das „Hünenbett” im Kledcer Wald. Die Zahl der Grabhügel aus der Bronzezeit ist unübersehbar. Auch die Eisenzeit hat, besonders im Ilmenautal, sehr viele Urnenfelder hinterlassen.
Vor 2000 Jahren war die Nordheide von Langobarden bewohnt, die wahrscheinlich um 600 v. Chr. von Norden her eingewandert waren. Später war die gesamte Heide von Sachsen besiedelt. Teile der Langobarden sind ausgewandert und haben schließlich in der Lombardei eine neue Heimat gefunden. Ihre alten Gaugebiete sind heute noch in verschiedenen Ortsnamen erkennbar. Die Gaugrenzen wurden von den damals noch waldreichen Haupthöhenzügen gebildet. Im alten Bardengau, also der Nordheide, über-wiegen Ortsnamen ,auf -dorf und -torf. Jenseits der Hochheide, in den Kreisen Soltau und Fallingbostel, fallen die zahlreichen Ortsnamen auf -ingen auf. In das Jeetzeltal sind wohl spätestens um 600 Slawen oder Wenden von jenseits der Elbe eingerückt. Sie begnügten sich mit dem Jeetzeltal, dessen Eichenwälder wegen der großen Feuchtigkeit von den Sachsen gemieden wurden. Die Gegend um Lüchow wird heute noch als „Hannoversches Wendland” bezeichnet. Auffällig sind dort die slawischen Ortsnamen wie Lüchow, Mammoissel, Waddeweitz oder ' Wittfeitzen. Die Gesamtzahl der eingewanderten Slawen ist aber nicht sehr groß gewesen. Eigen-artig sind die Rundlingsdörfer, die als Waldrodungen zu erklären sind, da sie fast nur im Raum der ehemaligen Eichenauenwälder vorkommen. Man findet aber neben den Rundlingen auch Sackgassendörfer. Früher hat man diese Dorfform für eine Art von Verteidigungsanlage im Grenzgebiet gehalten: dies ist aber nach den neuesten Forschungen ausgeschlossen, zumal sie gerade im Grenzgebiet fehlen.
Nach den Sachsenkriegen hat Karl der Große viele Sachsen aus ihrer Heimat zwangsweise fortgeführt und damit dem Einsickern der Wenden Vorschub geleistet. Später haben sich dann aber Sachsen und Wenden klar voneinander geschieden. So findet man noch heute einige frühere Ortsnamen wie Deutsch Evern und Wendisch Evern dicht nebeneinander oder Groß und Klein Thondorf, wobei „Klein” das ursprünglich wendisdie Dorf bezeichnet. Die wendischen Dörfer liegen meist auf leichteren Böden.
Auffällig groß ist die Zahl der Burgen im ehemaligen Bardengau. Abgesehen von der Burg auf dem Kalkberg in Lüneburg, deren Gründung auf den Sachsenherzog Hermann Billung zurückgeführt wird, handelt es sich um ungefähr 50 Bauwerke, von denen die meisten als Wasserburgen Im Ilmenaugebiet gelegen haben. Manche Heimatforscher haben die Behauptung aufgestellt, daß die Wenden in schweren Kämpfen bis zur Ihnenau vorgedrungen und später von den Sachsen wieder zurüdcgeworfen worden seien. In Wirklichkeit ist von solchen sich über mehrere Jahrhunderte er-streckenden Kämpfen nichts nachzuweisen. Sie passen auch nicht in das großgeschichtliche Bild der Heide hinein. Die einzige geschichtlich bezeugte Schlacht fand im Jahre 929 etwa 75 km östlich von Lüneburg bei Lenzen jenseits der Elbe statt. Lüneburg war später der Ausgangspunkt für die Gründung der Dome in Ratzeburg und Schwerin, für die Gründung von Lübeck und für die Ostkolonisation unter Heinrich dem Löwen.
Im Jahr 800 wurde Bardowick, der Hauptort der Langobarden, Bisdhofssitz; zahlreiche Klostergründungen erfolgten dann im ganzen Gebiet der Heide. Nach der Zerstörung Bardowidcs durch Heinrich den Löwen (1189) wurde Lüneburg Hauptstadt des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Der Ort blühte schnell empor und wußte sich mehr und mehr Unabhängigkeit von den Herzögen zu erringen. Schließlich war die Macht der Stadt derart gewachsen, daß die Lüneburger 1371 die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg vertrieben. Diese erhoben nun Celle zu ihrer Residenz. Unter den Mitgliedern des Herzogshauses sind bemerkenswert: Ernst der Bekenner (gest. 1546), der die Reformation in seinem Lande ein-führte, sowie der prachtliebende 'Georg Wilhelm, der 1665 das schöne französische Hoffräulein Eleonore d'Olbreuse zur Gattin nahm und in Celle glanzvollen Hof hielt. Die einzige Tochter des Paares, Sophie Dorothea, wurde mit ihrem Vetter Georg von Hannover verheiratet, der sie nach Aufdeckung ihrer Beziehungen zum Grafen Königsmardk auf das Schloß Ahlden verbannte.
Die Fürstin Eleonore ist durch ihre Tochter Sophie Dorothea die Großmutter Friedrichs des Großen geworden. Als das Celler Herzogshaus 1705 erlosch, wurde das Land Lüneburg mit dem inzwischen zum Kurfürstentum erhobenen Hannover vereinigt. Kurfürst Georg von Hannover wurde 1714 auch König von England. Das englische Bündnis mit Friedrich dem Großen hatte zur Folge, daß die Franzosen im Siebenjährigen Krieg ganz Hannover besetzten.
Während der Befreiungskriege fanden an verschiedenen Orten Gefechte mit französischen Streitkräften statt. Mit dem Regierungsantritt der Königin Viktoria (1837) hörte die Personalunion der Kronen von Hannover und England auf. 1866 wurde das Gebiet des Königreichs Hannover an Preußen angegliedert. Die einstige Landschaftsbezeichnung „Niedersachsen” wurde 1945 zum Landesnamen für die ehemalige preußische Provinz Hannover.
In den Jahren 1971—1974 wurde im Land Niedersachsen eine um-fassende Gebietsreform durchgeführt. Durch sie wurden zahlreiche kleinere Gemeinden zu neuen Großgemeinden zusammengeschlossen, zum Teil auch neue Ortsverbände gebildet. (Soweit bekannte Ferienorte nun nicht mehr alphabetisch auffindbar sind, sollte das Ortsverzeidmis am Schluß des Bandes benutzt werden.) Die Gebietsreform gibt den Stand vom Frühjahr 1975• wieder.

Aus der Kunstgeschichte

Während von den Kirchen- und Klostergründungen der Romanik wenig erhalten ist (Teile des Domes von Bardowidc; Verden, St. Andreas; Turm von Ahlden), bietet das Lüneburger Land für die B a c k s t e i n g o t i k zahlreiche bedeutende Monumente (Lüneburg, St. Michael, Johanniskirche; Nienburg, Pfarrkirche; Uelzen, St. Marien; Dom zu Verden; Klöster Lüne und Wienhausen). Einzig-artig aber sind seine alten Städte, die noch ein geschlossenes Stadtbild besitzen (Celle, Lüneburg, Rotenburg an der Wümme, Uelzen, Verden). Bemerkenswerte Rathäuser befinden sich hier, vor allem in Lüneburg (Treppengiebel der Backsteingotik), ferner prachtvolle Fachwerkbauten (Celle, Rotenburg, Verden). Von der profanen Baukunst zeugen weiterhin bedeutende Schloß- und Burgenbauten (Ahlden 1519, Celle 14.—17. Jh., Gifhorn 16.—18. Jh., Winsen an der Luhe 16. Jh.). Nicht zu vergessen sind aber auch die Zeugnisse der darstellenden Künste, so die frühgotischen Wandmalereien in der Klosterkirche zu Wienhausen, ferner gotische Glasmalereien, Stikkereien und Hungertücher im Kloster Lüne und endlich der .Altar des niedersäthsischen Malers Hinrik Funhof (t 1485), den die Johanniskirche in Lüneburg bewahrt.

Wirtschaft

Den Haupterwerbszweig der Bevölkerung des Gebietes bildet der Ackerbau. Der Getreidebau, vor allem Roggen und Hafer, nimmt eine bevorzugte Stellung ein (etwa zwei Drittel der Ackerfläche). Auch der Kartoffelanbau ist bedeutend. Daneben gedeiht die Zuckerrübe, hauptsächlich in der Uelzener Gegend, und der Weizen, aber diese machen zusammen nur einen geringen Prozentsatz der Gesamtadkerflädie aus. In letzter Zeit wurde der Anbau von Flachs und Hanf zur Gewinnung von Gespinstfasern und Leinöl gesteigert. Große Gemüsefelder trifft man besonders am Rand der Heide, zumal in der Nähe der Großstädte, an. Die Bardowidker betreiben neben Gemüsebau vorwiegend Saatgutwirtschaft. Die Obstbaumpflanzungen erfahren ständige Vermehrung, besonders in den Kreisen Uelzen und Harburg, wo auch heute noch Landstraßen mit Obstbäumen gesäumt sind.
Auch die Viehzucht hat in den letzten Jahren einen bedeuten. den Aufschwung genommen. Besonders die Schweinezucht spielt eine wichtige Rolle. Die Zucht des berühmten Hannoverschen Pferdes wird auch auf den Höfen in der Heide betrieben; Mittelpunkt der Pferdezucht ist das Niedersächsische Landgestüt in Celle. Da-gegen ist die Schafzucht im Vergleich zu früher geringer geworden. Während man 1900 noch 173 000 Schafe zählte, waren es 1910 nur noch 83 000. Die Zahl der Heidschnucken ist inzwischen weiter bis auf etwa 11000 zurückgegangen. Auch Geflügelzucht wird überall in der Lüneburger Heide betrieben. Zu beklagen ist, daß sich auch die Bienenvölker, für welche die Heide eine ganz besonders reiche Blütenpracht bietet, stark verringert haben. Vor etwa 100 Jahren zählte man hier noch 140 000 Stödce, um 1900 nur etwas mehr als 65 000 und heute nur noch rund 35 000 Bienenstödce. In zahlreichen Fischteichen, besonders im Ilmenautal, werden Karpfen und Forellen gezüchtet.
Neben der Volksernährung dient die Heide in zunehmendem Maße der Volkserholung. Die gewaltigen siedlungsleeren Gebiete der Hochheide mit den großen Wäldern, die Höhen mit den überraschenden Fernsichten, die lieblichen Flußtäler mit ihren Au-wiesen und Galeriewäldern bilden ein ideales Wander- und Erholungsgebiet.
Die Industrie tritt gegenüber der Land- und Forstwirtschaft zurück, hat aber doch eine Reihe von bodenständigen 'Betrieben entwickelt. Die Salzquelle in Lüneburg liefert jährlich große Mengen Kochsalz. Mehrere Kalischächte gehen bis zu einer Tiefe von 1000 m in die Erde. In der Nähe von Celle sind zwei Kalibergwerke und ein Steinsalzbergwerk in Betrieb. Der Lüneburger Salzstock hat bei seinem Aufsteigen auch die Schichten der Kreide in erheblichem Ausmaße an die Oberfläche gebracht. Sie bilden das Rohmaterial für die bedeutenden Lüneburger Düngekalkwerke, die große Teile Norddeutschlands versorgen.